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Interessantes rund um die Milch und die Landwirtschaft

Es gibt viele Informationen und Fragen rund um die Landwirtschaft. Die Themen von unseren Informationstafeln an den jeweiligen Mitmachstationen haben wir hier nochmal aufbereitet. Im Laufe der Zeit werden wir den Menüpunkt "Unsere Landwirtschaft" um weitere Themen ergänzen. Solltet ihr Fragen oder Anregungen haben, könnt ihr mir gerne eine Nachricht schicken. helma@milchpfad-usseln.de.

Grundwissen Landwirtschaft

Was passiert in der Landwirtschaft?

In der Landwirtschaft bauen die Bauern Pflanzen an und züchten Tiere. Ohne die Lebensmittel der Bauern hätten wir nichts zu essen, sie sind also ein wichtiger Teil der Wirtschaft.
Beim Ackerbau werden Getreide, Gemüse und Obst angebaut. Die Bauern sorgen dafür, dass die Pflanzen gut wachsen, damit es eine gute Ernte gibt. Die Tiere werden gezüchtet, gehalten und liefern uns viele gute Lebensmittel: Milch von uns Kühen, Eier von Hühnern, Wolle von Schafen und Fleisch von geschlachteten Tieren.

Was machen Fahrzeuge auf dem Bauernhof?

Vom Frühjahr bis in den Herbst müssen auf dem Bauernhof, aber auch auf den Feldern und Wiesen, viele verschiedene Arbeiten erledigt werden. Dabei spielen Fahrzeuge und Maschinen eine wichtige Rolle. Sie nehmen Menschen und Tieren schwere Arbeiten ab und erledigen sie viel schneller.
Das wichtigste Fahrzeug ist ein Traktor. Er kann verschiedene Geräte vorne und hinten anhängen. Im Frühjahr fährt der Traktor Gülle aus. So wächst das Gras auf meiner Weide gut, denn in den Kuhfladen und im Urin stecken wichtige Nährstoffe für die Pflanzen.

Im Sommer sorgt der Landwirt für unser Winterfutter. Das Mähwerk am Traktor schneidet das Gras ab und der Heuwender verteilt es, damit es trocknet. Um es zu haltbarem Futter zu machen, der Silage, wird es in luftdichte Folie eingepackt.
Die meisten Landwirte ernten zusätzlich den Sommer über bis in den Herbst hinein Getreide, Mais, Kartoffeln oder Zuckerrüben. Dabei helfen ihnen zum Beispiel der riesige Mähdrescher oder der Kartoffelroder. Im Winter werden alle Maschinen gewartet oder repariert.

Vom Gras zur Milch

Liebe im Stall

Wie alle Säugetiere geben auch wir Kühe von Natur aus Milch, um unsere neugeborenen Kälber mit Nahrung zu versorgen, ehe diese alt genug sind, um selbst andere Arten von Futter aufzunehmen. Die Tragezeit bei uns Kühen beträgt circa 9 Monate. Damit wir Milch geben, bekommen wir pro Jahr ein Kalb. Deshalb werden wir regelmäßig entweder von einem Bullen gedeckt oder künstlich vom Tierarzt oder Landwirt besamt.

Menüplan einer Milchkuh
Pro Tag fresse ich rund 60 kg Futter und trinke dazu etwa 120 l Wasser, wenn ich 30 l Milch gebe.

Früher und Heute
Früher gab eine Kuh nur circa 8 Liter Milch pro Tag. Das ist in etwa die Menge, die ein Kälbchen braucht, um heranwachsen zu können. Heute geben wir Kühe also fast die 4-fache Menge Milch. Das liegt an der Zusammenstellung des Futters, aber hauptsächlich an der Züchtung.

Die vier Mägen einer Kuh
Das Futter, das wir Kühe fressen, gelangt durch vier Mägen, wo „Hilfsarbeiter“ es zerkleinern. Zwischendurch wird es wieder hochgewürgt und wiedergekaut.

Aus dem Euter in den Tank
Wir Kühe werden morgens und abends gemolken. Früher wurde das mühsam mit den Händen gemacht. Heute übernimmt das eine Melkmaschine oder ein Melkroboter. Über lange Schläuche gelangt die Milch in einen Kühltank. Von da aus wird sie alle 2 Tage von einem Milchsammelwagen abgeholt und zur Molkerei transportiert.

Molkerei
Wenn der Milchsammelwagen in der Molkerei angekommen ist, wird die Milch untersucht, ob sie in Ordnung ist. Die Rohmilch geht danach in die Verarbeitung. Was da genau passiert könnt ihr auf der Grafik sehen.

Was alles aus Milch werden kann
Neben Trinkmilch wird Milch auch zu Joghurt, Quark, Sahne, Buttermilch oder Käse verarbeitet. Viele Produkte siehst du z.B. zu Hause im Supermarkt oder hier am Ende des Milchpfades im Laden der Upländer Bauernmolkerei.

Milchpreis

Was kostet Milch?
Der Milchpreis, den du im Laden zahlst, setzt sich aus verschiedenen Kosten zusammen, die vom Landwirt über die Molkerei bis hin zum Handel entstehen.

Welche Kosten hat der Landwirt?
Wir Milchkühe brauchen einen Stall, eine Weide, viel Futter, Pflege und natürlich brauchen unser Landwirt und seine Mitarbeiter auch ein Gehalt.Beim Landwirt entstehen also u.a. Kosten für Futtermittel, Energie, Flächen, Gebäude, Maschinen und Lohn. Der Landwirt erhält für seine Milch von der Molkerei den sogenannten Erzeugerpreis. Er setzt sich aus einem Grundpreis für die abgegebene Menge und Zu- bzw. Abschläge für Inhaltsstoffe und Qualitätsmerkmale zusammen.

Welche Kosten hat die Molkerei?
In der Molkerei wird die Rohmilch zu unterschiedlichen Milchprodukten wie Trinkmilch, Joghurt, Quark oder Sahne weiterverarbeitet. Der gesamte Verarbeitungsprozess wird mit Laboruntersuchungen begleitet. Insgesamt entstehen hier der Molkerei u.a. Kosten für Transport, Energie, Wasser, Verpackung, Personal, Produktionsanlagen, Verwaltung und Werbung.

Welche Kosten hat der Handel?
Die Molkereien beliefern große gekühlte Lagerhallen mit Milchprodukten. Von dort werden für einzelne Lebensmittelmärkte die Lieferungen zusammengestellt. Nach dem Transport werden die Milchprodukte dort weiter gekühlt und zum Verkauf angeboten. Es entstehen u.a. Kosten für Kühlung, Lagerung, Transport, Gebäude, Personal und Verwaltung.

Landwirtschaft in Deutschland

Ein paar Zahlen
In Deutschland gibt es ca. 266.000 landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 5 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche.
Die Anzahl der Betriebe wird zwar kleiner, dafür werden die Betriebe aber größer. Nach den    Zahlen des Statistischen Bundesamt 2018 gibt es die meisten Betriebe in Bayern (87.000). Hessen steht mit knapp 16.000 Betrieben an 6. Stelle aller Bundesländer. (Stand 2018, Deutscher Bauernverband)

Wie viele Milchkühe gibt es in Deutschland?
In den letzten 10 Jahren (ausgehend von 2019) hat sich die Zahl der Milchkühe um 37 % verringert. In 2019 gab es 4 Mio. Milchkühe. Im Durchschnitt hält ein Milchviehbauer 67 Milchkühe. Die regionalen Unterschiede sind groß, in Hessen liegt der Durchschnitt bei 51 Kühen während in Mecklenburg-Vorpommern der Durchschnitt bei 250
Kühen pro Betrieb liegt.

Nicht alle Kühe sind „blau“...
...so wie ich, die Kuh Helma! Die bedeutendsten Rinderrassen sind „Holstein-Schwarzbunt“ und das „Holstein-Rotbunt“. Die Rassen sind entweder schwarz-weiß oder braun-weiß gefleckt.

Wer arbeitet in der Landwirtschaft?
Zum größten Teil arbeiten Familienangehörige auf dem Bauernhof. Allerdings arbeiten auch   zunehmend andere Angestellte auf den Höfen und viele Arbeiten werden von externen Lohnunternehmen ausgeführt.

Landwirtschaft als Landschaftspfleger

Warum Landschaftspfleger?
Wir Kühe und andere Pflanzenfresser, wie Schafe, sind wichtige Helfer als Landschaftspfleger auf den Grünlandflächen. Wiesen und Weiden sind Dauergrünland, also Flächen, die mindestens 5 Jahre ganzjährig mit Gräsern und Kräutern bedeckt sind. Sie liefern das Futter für Wiederkäuer wie uns Kühe, Schafen, Ziegen und auch Pferden. Darüber hinaus trägt das Grünland zum Schutz von Boden und Grundwasser bei, dient der Erhaltung der biologischen Vielfalt und erhält unsere Kulturlandschaften mit hohem Erholungswert, weil man darin schön wandern kann, so wie du es gerade machst.

Darum blüht es auf der Wiese...
Weil uns der Bauer im Sommer zur Beweidung auf die Wiese schickt, braucht er die Wiese erst spät mähen und so können Pflanzen lange blühen und ihre Samen verbreiten. Außerdem dient unser Kuhfladen den Insekten wie z.B. Fliegen, als idealer Ort zur Sammlung von Nahrung oder zur Vermehrung. Das widerum nützt manchen Vogelarten, für die die Insekten eine Nahrungsgrund-
lage bieten.

... und auf dem Acker
Neben den Nahrungsmitteln für uns Menschen, die der Bauer auf seinen Ackerflächen anbaut, werden auch Blühstreifen mit vielen bunten Blumen und Kräutern für die Insekten angelegt. Dies hilft bei dem Erhalt der Insekten- und Artenvielfalt. Hast du auch eine blühende Ecke für Insekten in deinem Garten oder auf dem Balkon?

Ohrmarken

Personalausweis für Kühe
Direkt nach der Geburt bekommen unsere Kälbchen zwei Ohrmarken. Auf diese Weise lassen sich die Tiere immer gut unterscheiden und man kann nachvollziehen, wo jede Kuh geboren wurde. Eine der Ohrmarken hat einen Strichcode, der mit einem speziellen Gerät, ähnlich dem an der Kasse im Supermarkt, gelesen werden kann. Auf den Ohrmarken stehen verschiedene Zahlen und Nummern.
„DE“ ist die Abkürzung für das Herkunftsland, Deutschland
„06“ ist die Abkürzung für das Bundesland, hier Hessen.
„333“ und die Zahlen unter dem Strichcode „23 267“ ist jeder Kuh speziell zugewiesen.

Was passiert mit unseren Daten?
Nachdem wir unsere Ohrmarken bekommen haben, werden die Daten in ein Computerprogramm eingegegeben. Unter der Ohrmarkennummer findet man dann beispielsweise das Geschlecht, Alter oder Rasse der Kuh. Außerdem kann von der Geburt an alles weiter verfolgt werden. Wird eine Kuh verkauft, muss der Bauer sie ab- und der Käufer die Kuh auf seinen Betrieb anmelden.

Computer im Kuhstall
Häufig tragen wir Milchkühe neben der gesetzlichen vorgeschriebenen Ohrmarke noch ein Halsband mit einer Stallnummer und einem Transponder. Am Futterautomat erhalten wir Kühe so die für uns errechnete Kraftfutterration. Am Melkstand ermöglicht er die genaue Erfassung der gemolkenen Milchmenge pro Kuh. Anhand der so ermittelten Daten kann der Landwirt unter anderem unsere Gesundheit kontrollieren.